Randnotiz 1

Die interessantesten Entdeckungen bieten sich meist an den Rändern, dort wo man sie (vielleicht?) nicht erwarten würde ... und dieses Suchen an den Rändern der Musikwelt fördert bisweilen Unerhörtes zu Tage. Während es vor einiger Zeit so aussah, als würde die Zither in ihrem eigenen Klischee erstarren, erlebte sie in den letzten Jahren eine erstaunliche Renaissance – vor allem im Bereich der zeitgenössischen Musik.

Was in den 1970er Jahren mit zaghaften Versuchen begann, hat sich inzwischen zu einer Bewegung entwickelt, die so prominente Komponisten einschließt wie Bernard Lang, Olga Neuwirth, Dieter Schnebel oder Georg Friedrich Haas. Nicht zu vergessen eine ständig wachsende Anzahl an jungen Komponisten wie Manuela Kerer oder Leopold Hurt – ihre Annäherung an die Zither klingt “so authentisch, als würde die Avantgarde schon immer Zither spielen” (Christoph Wagner, Neue Zeitschrift für Musik)!

Randnotiz 2

... die interessantesten Entdeckungen sind an den Rändern zu machen?? Na denn, wie kommt man da hin, an diesen Rand des Musikgeschehens? Wenn man nicht gerade ein genialer Querkopf ist, wie Matthias Loibner oder Franz Hautzinger, wohl eher durch einen blöden Zufall (... die alte Zither am Dachboden der Oma? ...)

Und da steht man dann da und wurschtelt fluchend vor sich hin. Mit so einen Instrument, für das es kaum Literatur gibt. Umgeben von einer Szene, die weitgehend in geistiger Inzucht verharrt und den ganzen hämischen Musikerkollegen mit ihren Mozarten und Schönbergen ... Bis man dann irgendwann sein Potenzial erkennt und sich extrem freut, ein so exotisches Instrument zu spielen. Weil man als Zitherspieler eine unglaubliche Chance hat, selber zu denken und Neues zu versuchen. Und weil man einfach machen kann, ohne ständig nach links oder rechts zu schauen, ob jemand etwas besser/schlechter/sonstwie macht! Quasi Musik, weil es Musik ist!